| Die Geschichte von
Reiki als einer einzigartigen Form der Energiearbeit, des Heilens
mit Licht, ist untrennbar verbunden mit der Person ihres Entdeckers,
einem Japaner namens Mikao Usui. Und so möchte ich das Kapitel
Geschichte mit dem Leben und Wirken dieses Mannes, dem die Welt so
viel zu verdanken hat, beginnen.
Mikao
Usui wurde am 15.August 1865 im Bezirk Yamagata in Japan geboren, in
einer buddhistischen Familie des Chiba-Klans mit einer alten
Samurai-Tradition. Er hatte mit seiner Ehefrau Sadako, geborene
Suzuki, einen Sohn und eine Tochter. Beruflich hatte er vieles
erlebt, er hatte im Staatsdienst, als Geschäftsmann, Reporter,
Sekretär eines Politikers (Bodyguard?), Missionar und auch als
Bewährungshelfer gearbeitet. Als Privatsekretär des Politikers
Shimpei Goto muß Mikao Usui gute Verbindungen zu den oberen
Schichten gehabt haben.Die Zeit, in der Usui in Japan aufwuchs, war
gekennzeichnet von Erneuerung, nach Jahrhunderten der Isolation
öffnete sich Japan wieder für das Ausland und für den Fortschritt,
aber auch für verschiedene alte Traditionen, die nicht der
ehemaligen Staatsreligion des Shintoismus angehörten. Eine Synthese
aus altem und neuem, dies ist auch der Lebensweg und das Lebenswerk
von Mikao Usui gewesen. Doch
weltlicher Erfolg war ihm nicht beschieden, vielleicht war er auch
wenig daran interessiert gewesen. Esoterik und Spiritualität waren
von großer Bedeutung für ihn, und er studierte Kiko, das japanische
Qi Gong, bis zu einem hohen Grad, interessierte sich für chinesische
Medizin, er erlernte Kampfkünste, darunter Yagyu Shinkage Ryu
(Samurai-Schwertkampf) bis zum hohen Grad des Menkyo Kaiden, er
studierte Tendai -, Zen- und Shingon-Buddhismus und auch die alte
Religion Japans, Shinto. Sein Interesse galt der Medizin, der
Psychologie, dem Wahrsagen und den spirituellen Pfaden, er war ein
gebildeter Mensch mit einem Bewußtsein für innere Qualitäten . Er
ist auch in China und im Westen gewesen, um zu lernen,
doch ist es durchaus möglich, daß er vieles seiner Kenntnisse in der
ehemaligen Kaiserstadt Kyoto mit all ihren Tempeln und Bibliotheken
gefunden hat. Kyoto ist ein Ort mit einem sehr hoch entwickelten
kulturellen und spirituellen Erbe. Bedeutende Weggefährten von Mikao
Usui sind u.a. Morihei Ueshiba, der Begründer der Aikido-
Kampfsportkunst, Onasiburo Deguchi, Gründer der Oomoto-Religion,
Toshihiro Eguchi, ein guter Freund Usui's und ebenfalls Gründer
einer Religion, sowie Mokichi Okada, Gründer der Johrei- Religion
des spirituellen Lichtes, gewesen. Reiki ist also ein Weg von
vielen, die in dieser schöpferischen Zeit in Japan entstanden sind.
Auf
dem Berg Kurama bei Kyoto
Das Leben Usui's verlief trotz all
seiner Fähigkeiten und seiner hohen Bildung nicht besonders
glücklich, und so fragte er, wie das in der japanischen Kultur so
üblich ist, seinen spirituellen Lehrer um Rat. Dies führte dazu, daß
er in ein Retreat ging, d.h. sich aus dem äußeren weltlichen Leben
völlig zurückzog, und "shyu gyo" praktizierte, 21 Tage des Fastens
und der Meditation, eine buddhistische Praxis, die sehr viel
Disziplin und aufrichtiges Bemühen verlangte. (Die Meditationsform,
die Usui praktizierte, ist Zazen Shikan Taza, mehr dazu im URR- und
Usui Teate-Seminar.) Ein Wasserfall auf dem Berg Kurama nördlich von
Kyoto war der geeignete Ort, um sich ungestört zurückzuziehen und zu
praktizieren. Am Morgen des 21. Tages dieses Retreats kam
unerwarteterweise das Licht des Reiki zu ihm herab und Reiki wurde
geboren. Usui erkannte und verwirklichte die Reiki-Heilungsmethode
und hatte zu sich selbst gefunden, einen geistigen
Bewußtseinszustand erlangt, der "Anshin Ritsumei" genannt wird, und
in etwa folgendes bedeutet : der eigene Geist ist vollkommen in
Frieden, es ist klar, was zu tun ist, nichts kann die innere Ruhe
und Klarheit mehr stören. Ich vermute, dies entspricht Rigpa im
tibetischen Buddhismus. 1922 war
Usui von Kyoto nach Tokio umgezogen, und da sich Reiki bei den
verschiedensten Krankheiten und Problemen als äußerst hilfreich
erwiesen hatte, gründete er dort seine erste Klinik, sein erstes
Heilungszentrum. Das Interesse an Reiki war immens, die Leute
mussten sogar vor dem Haus Schlange stehen, um eine Behandlung von
Usui oder seinen Mitarbeitern zu erhalten. Mit seinen ganz
außergewöhnlichen Fähigkeiten wurde Usui schnell in ganz Japan
bekannt, und dies sogar obwohl er ausdrücklich keinerlei Werbung für
Reiki wünschte. Die Behandlungen waren für alle zugänglich, was
bedeutete, daß sie nicht teuer waren, wenn überhaupt ein Entgelt
dafür verlangt wurde. Weit über 1000 Menschen hat Usui in den
wenigen Jahren, die ihm bis zu seinem Tode für seine Arbeit mit
Reiki blieben, in dieser Heilweise unterrichtet und eingeweiht, 17
seiner Schüler erhielten die dritte Stufe, den 3. oder
Shinpiden-Grad. Die Ausbildung in Reiki war zunächst in drei Grade
unterteilt, der erste heißt Shoden, der zweite Okuden und der dritte
Shinpiden. Shihan sind die Mystischen Lehren, die auf Shinpiden
aufbauen, erst hier lernte der Schüler, die Einweihungen, Reiju, zu
geben. Darüber hinaus soll es noch mindestens zwei weitere höhere
Meistergrade gegeben haben, einer ohne Namen, der andere bedeutet:
„das Licht hereinbringen“. Diese Ermächtigungen können erst nach
langjähriger Meditationspraxis erlernt und dann weitergegeben
werden.
Den zweiten und schon gar den dritten
Reiki-Grad erhielten die Schüler erst nach einer langjährigen
Zusammenarbeit mit Usui Sensei, mit ihrem ehrwürdigen Lehrer Usui.
Auch mußte der Schüler seine Sensibilität, im Energiekörper
diagnostizieren zu können (Byosen und Reiji Ho), unter Beweis
stellen, um weitere Ermächtigungen zu erhalten. Der Titel Sensei,
ehrwürdiger Lehrer, wird dem Lehrer aus Respekt für seine Integrität
und Befähigung von den Schülern verliehen.
Shoden, die erste Stufe des Reiki, war
offen für jeden Schüler. Die Menschen kamen zu Usui, um Heilung zu
finden, sie erhielten hierzu von Usui Behandlungen und die
regelmäßigen Einweihungen (Reiju) in den ersten Grad, in Shoden. Die
höheren Grade und Ermächtigungen, Okuden und Shinpiden und erst
recht die noch höheren Meistergrade, wurden erst dann gewährt, wenn
der Schüler die erforderlichen Fähigkeiten und charakterlichen
Qualitäten unter Beweis gestellt hatte. Eine jahrelange
Zusammenarbeit und Mitarbeit war Voraussetzung, das Reiju, die
Einstimmung in Reiki, wie auch eine kurze Form des Hatsurei Ho
wurden regelmäßig praktiziert. Auch heutzutage mag es bis zu zehn
Jahre dauern, bis ein Schüler in der Usui Reiki Ryoho Gakkai die
zweite Stufe, Okuden, erlernen darf.
Mikao Usui legte auf die spirituelle
Seite, die Pflege der inneren geistigen Qualitäten großen Wert,
seine Behandlungen waren rein intuitiv, manchmal lehrte er 5
Kopfpositionen, wie wir mittlerweile erfahren haben von einer weit
über 100 Jahre alten Schülerin von Usui. Er lehrte Meditationen und
Kotodamas, Invokationen, um sich mit speziellen Energien zu
verbinden. Wenn ein Schüler hierzu nicht sensibel genug war, wie u.a.
Hayashi, bekamen diese die bekannten 4 Reiki-Symbole als
Hilfsmittel.
Shinto und Kiko waren die Basis für die
energetische Reiki-Praxis, der Tendai-Buddhismus lieferte den
spirituellen Hintergrund. Mag sein, daß auch Shingon und Zen
Einfluss hatten, aber nur sekundär. Auf dieser Basis entwickelte
Mikao Usui eine sehr einfache Art der Reinigung und Stärkung des
menschlichen Energiekörpers und diverse Formen der Meditation, der
geistigen Schulung. Usui lehrte einen Pfad zur Erleuchtung und zur
geistigen Entwicklung, das reine Handauflegen, das im Westen so
zentrale Bedeutung erlangt hat, war nur eine Nebensache. Wöchentlich
wurde das Reiju, die Einweihung in Reiki gegeben, es wurden
gemeinsam religiöse Texte und Gebete zitiert, es ging darum, den
eigenen Geist zu schulen in Achtsamkeit und reiner Präsenz und
dadurch über das gewöhnliche hinaus alle verborgenen Qualitäten zu
entwickeln.
Die
Usui Reiki Ryoho Gakkai in Tokio
Später erst, nachdem Usui Sensei an
einem Gehirnschlag 1926 gestorben war, entstand in Tokio die Usui
Reiki Ryoho Gakkai, eine Gesellschaft zur Verbreitung der
Reiki-Heilweise nach Usui, die es auch nach wie vor gibt.
Mittlerweile ist erwiesen, daß Usui erst nach seinem Tode die Ehre
zuteil geworden ist, als erster Präsident der Gakkai aufgelistet zu
werden.
Als der erste Präsident dieser Usui
Reiki Ryoho Gakkai wird Mikao Usui selbst genannt, seine Nachfolger
hießen Juzaburo Ushida, Kan'ichi Taketomi, Houichi Wanami und Kimiko
Koyama. Der derzeitige Präsident ist Herr Masaki Kondo. Wenn
überhaupt, so könnte allein Herr Kondo sich als Großmeister oder
Oberlehrer des Reiki bezeichnen, eine derartige Bezeichnung ist in
Japan jedoch unbekannt. Die Lehren der Gakkai, die von Arjava Petter,
William Rand und Hiroshi Doi als das originale Reiki des Mikao Usui
dargestellt werden, stellen nicht die Praxis dar, wie Usui Sensei
sie selbst gelehrt hat, sondern sind eine Weiterentwicklung
innerhalb der Gakkai. Von der
ehemaligen Präsidentin der Gakkai in Tokio, Frau Koyama, stammt die
Version des mittlerweile auch bei uns sehr bekannten Usui Reiki
Hikkei, ein Handbuch, das Usui zum Teil an seine Schüler austeilte.
In dem Usui Reiki Hikkei werden Fragen zu Reiki beantwortet, eine
englische Übersetzung ist auf Rick Rivard's Webseite "Reiki
Threshold" zu finden. Im Hikkei werden auch bestimmte Handpositionen
für die verschiedensten Krankheiten aufgelistet. Neuesten
Forschungen in Japan zufolge (Usui Teate) stammen die Handpositionen
aus der Feder Hayashi's, - daher auch die Ähnlichkeit mit den
Positionen in seinem eigenen Hikkei -, und gar nicht von Usui
selbst. Schüler, die direkt bei Usui gelernt haben - im Gegensatz zu
den Informationen der Gakkai, die aus 2. Hand stammen und verändert
worden sind - haben gesagt, daß Usui lediglich 5 spezielle
Kopfpositionen gelehrt hat, anschliessend wurde ggf. intuitiv der
Körper behandelt. Mehr dazu auf der Seite zur Usui Teate.
Der
Name Reiki
setzt sich aus zwei Kanjis, japanischen
Schriftzeichen, zusammen, Rei und Ki. Es gibt verschiedene
Möglichkeiten, diese Worte zu deuten, zu übersetzen:
Rei ist die spirituelle Heilung,
verbunden mit spirituellem Wachstum.
Ki ist die Energie, die Kraft zum Heilen von Geist und Körper.

Hier die alte und die neue
Schreibweise der Kanjis:
Eine wörtlichere Übersetzung,
Interpretation der beiden Kanjis lautet:
Rei: vom Himmel herab kommt der Regen mit lebensspendender
Energie, die sich aus drei Teilen zusammensetzt, aus Licht,
Liebe und Weisheit.
Ki: auf der Erde steht ein Schamane mit seinen Armen zum Himmel
emporgestreckt.
Reiki ist also ein Empfangen von
Licht, Liebe und Weisheit von oben, vom Himmel, und ein
Weitergeben an die Menschen auf der Erde. Dies trifft sowohl auf
die Einweihung in Reiki als auch die Behandlung mit Reiki zu.
Usui hatte sicherlich Inspirationen
empfangen aus seinem Studium des Zen- Buddhismus, wie auch aus
dem Tendai- und dem Shingon-Buddhismus. Er kannte andere
japanische Formen der Lichtarbeit, ist wohl auch ein Mitglied
gewesen in der "Rei Jyutsu Ka", die ihren Sitz am Fuße des
Berges Kurama hatte. Usui Sensei hat Kiko, die japanische Form
des Qi Gong bis zu hoher Meisterschaft gelernt, und er war
Meister (Menkyo Kaiden) in einer japanischen Kampfkunst namens
Yagyu Ryu. Die Darstellung in manchen Kapiteln über die
Lebensgeschichte Usui's, daß er Sekretär eines Politikers war,
ist wohl eine Umschreibung für seine Tätigkeit als Bodyguard.
Der Berg Kurama bei Kyoto ist ein
besonders heiliger Ort in Japan, ja, er wird sogar das spirituelle
Herz Japans genannt. Viele hundert Tempel sind dort, aus allen
japanischen Traditionen, somit auch ihre Energien und Helfer aus dem
Reiche des Lichtes. Auch für den japanischen Kampfsport ist der Berg
Kurama ein besonders heiliger und gesegneter Ort.
Von 1922 an übte Usui sich 3 Jahre lang
in Zen-Meditation, mehrfach machte er ein Retreat, dessen Rahmen im
Zazen Shikan Taza beschrieben wird.
Möglicherweise ist das Satori, das Usui
mit dem Empfang von Reiki auf dem Berg Kurama erlebt hatte, auch
inspiriert worden von der mystischen Geschichte der Kurama Sonten,
die mit dem Berg Kurama verbunden und dort energetisch nach wie vor
vorhanden sind. Die drei Elemente des Kurama Sonten sind Licht (Bishamon
- Ten), Liebe (Senju-Kannon) und Macht oder Kraft (Mao-Son).
Das Symbol für Senju-Kannon ist das Hrih
im Sanskrit und die Quelle für das 2. traditionelle Reiki-Symbol,
das sogenannte Mentalsymbol. Es steht für den Amida-Buddha (Amitabha),
der in Japan sehr viel verehrt wird. Auch das Mantra des
Meistersymbols wird in diesem Tempel auf dem Berg Kurama täglich
verwendet zum Schutz und als Anrufung. Das Dai Ko Myo, das
Reiki-Meister-Symbol repräsentiert die drei Prinzipien des Kurama
Sonten: Liebe, Licht und Kraft.
Folgende Abbildungen stammen aus einem der Tempel auf dem Berg
Kurama bei Kyoto:
Im Jahre 1923 gab es in Japan ein
grosses, verheerendes Erdbeben, das Kanto-Erdbeben, in dem über
100.000 Menschen ihr Leben verloren. Mikao Usui hat sich sehr
engagiert, den Opfern zu helfen, ihre Leiden mit Reiki zu lindern
und zu heilen. Zu diesem Zweck verlegte er seine Klinik in das
Gebiet des Erdbebens, um "Hände der Liebe zu den leidenden Menschen
auszustrecken". Auch dies zeigt, daß Usui Sensei ein Mensch von
"Großem Geist" gewesen ist, der in selbstloser Art und Weise
Bodhicitta, liebevolle Hinwendung wirklich praktizierte. Als
Auszeichnung für seine Dienste erhielt Usui einen Doktor-Titel,
ehrenhalber.
Im Jahre 1926 erlag Mikao Usui einem
Gehirnschlag. Sein Grab ist beim Saihoji-Tempel in Tokio. Direkt
neben dem Grab steht ein Stein mit einer Inschrift, alsbald auch in
deutscher Übersetzung der Inschrift auf dem Gedenkstein die über
Usui's Leben und Wirken berichtet. Die Entdeckung dieser Inschrift,
das Auffinden der Tokioer Reiki-Gakkai und zwei japanische Bücher
zum Thema Reiki machten es Ende des 20.Jahrhunderts möglich, mehr
stimmige Informationen zu der Geschichte von Reiki und zum Leben
ihres Begründers Mikao Usui im Westen zu erhalten. Die zwei
japanischen Reiki-Bücher sind das "Iyashi No Te" von Toshitaka
Mochizuki (erschienen 1995) und das "Iyashi No Gendai Reikiho" von
Hiroshi Doi. Das Buch von Hiroshi Doi ist ins englische übersetzt
worden und unter dem Namen "Modern Reiki Method for Healing",
mittlerweile erhältlich (ISBN: 0-9688100-0-4,Dezember 2000 bei
Fraser Journal Publishing). Weitere Überlieferungen von anderen
japanischen Reiki-Lehrern, die nicht der Gakkai angehören, sich aber
dennoch auf Mikao Usui oder Chujiro Hayashi zurückführen lassen,
sind bekannt geworden.
Reiki geht nach Westen,
Hayashi & Takata
Im nächsten Abschnitt möchte ich ein
wenig über die Übertragungslinie von Reiki in den Westen berichten.
Diese Linie beginnt mit Dr. Chujiro Hayashi und führt über Frau
Hawayo Takata in die USA und nach Europa.
Dr.
Chujiro Hayashi war zusammen mit 2 weiteren Offizieren, Jusaburo
Gyuda/Ushida und Ichi Taketomi ein Schüler von Usui gewesen. Geboren
im Jahre 1878 hatte er als Kommandeur bei der japanischen Marine als
Arzt gedient. 1925 lernte er (nur) 9 Monate lang Reiki von Mikao
Usui und führte später eine kleine Reiki-Klinik in Tokio mit 8
Betten und 16 Heilern, die immer zu zweit Behandlungen gaben.
Hayashi hatte ein eigenes Handbuch geschrieben, das in puncto
Behandlungspositionen dem Usui Reiki Hikkei sehr ähnlich war. Beides
enstand wohl aus Qi Gong Materialien, die 1927 bei der Marine
verbreitet wurden. Die 3 Offiziere waren die Gründer der Gakkai
gewesen, ältere Schüler Usui's konnten sich aber nicht mit dem, was
dort praktiziert wurde, identifizieren. Eguchi war nur 1 Jahr lang
mit bei der Gakkai, von ihm hat Hayashi wahrscheinlich das Reiju,
die Einweihung erlernt, die er aber wohl auch modifiziert hat.
Die nationalistische Einstellung des
"Offiziers-Clubs" Reiki Ryoho Gakkai war sogar Hayashi zuviel
gewesen, und so ist er seine eigenen Wege gegangen und später nicht
mehr Mitglied der Usui Reiki Ryoho Gakkai gewesen, sondern hat ab
1931 sein eigenes Reiki gelehrt in der Hayashi Reiki Kenyu-kai. Die
spirituelle Dimension, auf die Usui Sensei so viel Wert gelegt
hatte, war für Hayashi kein zentraler Punkt, er konzentrierte sich
auf die Technik des Handauflegens zum Zwecke der (physischen)
Heilung. Bis zu seinem Tode im Jahre 1941 hat er 17 Schüler in den
Meister-Grad eingeweiht. Eine seiner Schülerinnen war Frau Hawayo
Takata, die 1938 den Meister-Grad bei ihm absolvierte.
HawayoTakata
kam am 24.Dezember des Jahres 1900 als Tochter japanischer
Immigranten in Hawaii zur Welt. Das Leben auf der Zuckerrohrplantage
war hart und hatte sie krank gemacht. Als sich Frau Takata aus
familiären Gründen Mitte der dreißiger Jahre in Tokio aufhielt und
in einem Krankenhaus untersuchen ließ, wurden ihr ein Tumor,
Gallensteine und eine Blinddarmentzündung diagnostiziert.
Sie lag schon auf dem Operationstisch, als eine innere Stimme ihr
eindrücklich sagte, daß eine Operation nicht nötig sei. Sie fragte
den Arzt nach einer anderen Möglichkeit und erfuhr von Hayashi's
Reiki-Klinik, die direkt gegenüber dem Krankenhaus lag.
So bekam sie statt einer Operation tägliche Reiki-Behandlungen, die
sie innerhalb von 4 Monaten vollständig heilten. So überzeugt von
Reiki wollte sie es selbst erlernen und vermochte Hayashi dazu zu
bewegen, ihr im Frühjahr 1936 den ersten Grad zu übertragen. Ein
Jahr lang arbeitete Hawayo Takata in der Reiki-Klinik in Tokio und
erhielt zum Abschluß den zweiten Grad.
1937 kehrte sie zurück nach Hawai und
begann dort mit ihrer Reiki-Arbeit. Im Winter 1938 wurde sie von
Hayashi in den Meistergrad eingeweiht. Die politische Situation
während des zweiten Weltkriegs, als die USA und Japan Kriegsgegner
gewesen waren, mag der Grund gewesen sein, daß Frau Takata aus Mikao
Usui einen christlichen Theologen machte. Pearl Harbour war den
Amerikanern nur allzu gut im Gedächtnis, in dieser Situation hätte
sie große Schwierigkeiten bekommen, wenn sie etwas japanisches oder
buddhistisches hätte publik machen wollen. So begann sie, ein
Märchen zu erzählen, und machte aus Usui einen Christen, der er
definitiv niemals gewesen ist. Auch die Reiki-Praxis wurde für den
Westen angepasst, das Hatsurei Ho z.B. hatte sie gelernt von Hayashi,
jedoch nie an ihre Schüler weitergegeben.
Usui wäre niemals damit einverstanden
gewesen, daß sie, wie auch weitere "Linienhalter", sich als
Reiki-Großmeister bezeichneten. Er hatte bewusst ein offenes
Lehrsystem erschaffen, "Ronin" genannt, ohne Führer-Ambitionen und
offen für jeden, der Interesse hatte.
Bis zu ihrem Tod im Jahre 1980 hat
Hawayo Takata insgesamt 22 Reiki-Meister eingeweiht, unter ihnen
Barbara Ray, die die A.I.R.A., später dann Radiance gründete, und
ihre Enkelin Phyllis Lei Furumoto, die die Reiki Alliance gründete.
Längere Zeit waren diese beiden Organisationen führend in der
Verbreitung von Reiki in Europa, erst in den 90er Jahren wurde es
möglich, sich auch als Freier Reiki-Meister der Vermittlung von
Reiki zu widmen. Damit wurde das hohe Preisniveau, man könnte auch
sagen, Preiskartell, abgeschafft und Reiki einer noch größeren
Anzahl zugänglich gemacht. Der Versuch von Phyllis Furumoto, der
Enkelin Frau Takatas, die Namen Reiki und Usui Reiki Shiki Ryoho
weltweit für sich patentieren zu lassen, ist glücklicherweise
fehlgeschlagen, denn mittlerweile ist Reiki weltweit bekannt und
beliebt. Auch die Art, wie sie die Rolle des Reiki-Grossmeisters
übernommen hat, ist zweifelhaft, siehe diesen offenen Brief ihrer
engsten Freundin Carell Ann Farmer aus jener Zeit. |